Dann geht es eben später los

Foto: Maren Wilkening

American Football: Die Minden Wolves setzen nach Trainingslagerabsage und Trainingsstopp auf individuelle Programme und Online-Meetings. Es bleibt die Zuversicht, dass die erste Saison noch stattfindet

So schnell kann sich alles ändern. Noch vor wenigen Augenblicken dominierten strahlende Gesichter beim Blick in den Kalender das Geschehen. Das lange Warten schien endlich ein Ende zu haben. Hinter den jungen Burschen lag ein Jahr ohne Spiel. Ein Jahr, in dem die Coaches ausnahmslos zum Training baten. Drei Einheiten pro Woche. Da muss man als Neuling seinen Sport schon lieben, denn die Entbehrungen sind groß, die privaten Belange werden hintenan gestellt. Der Fokus liegt einzig auf dem ersten Spiel. Jenem Spiel mit dem ovalen Ball, das dank größer werdender TV-Präsenz immer mehr Anhänger findet. Anhänger, wie die Rookies der Minden Wolves, dem einzigen American Football-Club im Mühlenkreis. Das Wolfrudel, das sich in der DJK Dom Minden organisiert, versteht si ch aber nicht als Mindener Verein. „Wir stehen für den ganzen Kreis“, macht Danny Wilkening, einer von acht Gründern der binnen kurzer Zeit bereits mehr als 120 Mitglieder zählenden Sparte, deutlich.

Auch nach zwölf schweißtreibenden Monaten ist die Stimmung bei den Wölfen nach wie vor top. Immerhin schien der Start der ersten Saison in der NRW-Liga immer näher zu rücken. Nach dem Auftakt Ende April beim letztjährigen Vizemeister Coesfeld Bulls sollte es eigentlich am ersten Mai-Wochenende zur Heimpremiere kommen. Einem Event für Jung und Alt, einer Familienveranstaltung mit viel Drumherum und dem Spiel gegen die ebenfalls erstmals an den Start gehenden Dorsten Reapers als Höhepunkt. Verständlich, dass die Vorfreude riesig war. In den internen WhatsApp-Gruppen lief bereits ein Countdown runter. Noch 50, noch 40 Tage bis zum ersten Auftritt. Vergessen waren die Strapazen; im Fokus der etwa 70 spielberechtigten Burschen stand nur die Premiere.

Zumindest bis zu jenem Tag im März, an dem sich die Welt urplötzlich anders drehte, der für die gesamte Gesellschaft aufgrund der Corona-Pandemie für nie zuvor gekannte Einschnitte gesorgt hat. Denn wie alle anderen Sportverbände hat auch der American Football Verband Deutschland sämtliche Aktivitäten gestoppt, der nordrhein-westfälische Landesverband zudem seine Handlungsleitfäden an die Vereine weitergegeben. Außerdem Richtlinien, die besagen, dass bis zum 15. April (fast) alles untersagt ist: keine Freundschaftsspiele, keine Scrimmages (testspielähnliche Vergleiche). Zudem die Aufforderung, man solle geplante Trainingslager absagen. Und genau das traf die Minden Wolves bis ins Mark. Sieben Tage waren es noch, dann sollte es für drei Tage nach Aurich gehen, wo sich das Team mit seinen zehn Trainern den Feinschliff holen wollte. Vorgesehen waren auch Scrimmages gegen Wilhelmshaven und eine Woche später gegen Oldenburg – beides höherklassige Gegner. Doch der lange Zeit im Voraus geplante Vorbereitungs-Höhepunkt fiel aus, wie so Vieles in diesen Tagen. Auch in der Heimat waren die Trainingsstätten bis zum 30. April gesperrt worden, waren selbst in Kleingruppen keine gemeinsamen Aktivitäten mehr möglich. „Wir stehen aber wie alle eindeutig hinter den getroffenen Entscheidungen“, macht Team-Captain Marcel Wiegmann, wie Wilkening Gründungsmitglied der Minden Wolves, deutlich. „Hier geht es schon lange nicht mehr um sportliche Ambitionen, sondern einzig um die Gesundheit aller. Es gibt einfach sehr viel wichtigere Dinge.“

Wie es weitergeht weiß man bei den Wolves derzeit (noch) nicht genau. Da geht es ihnen nicht anders, als Mannschaften und Vereinen in anderen Sportarten. Allerdings mit einem kleinen Unterschied. Im Gegensatz zum Handball oder Fußball hat die Saison im American Football nämlich noch gar nicht begonnen. Bis Mitte April gelten die Vorgaben des AFCV NRW, danach soll neu entschieden werden. Gerechnet wird derzeit mit einer Verschiebung der Spieltage auf spätere Termine. Mit einer Absage der Saison will sich dagegen keiner beschäftigen. Hoffnung macht dabei auch der Bundesverband, der den Serienbeginn in der GFL 1 und 2 (1. und 2. Bundesliga) um Pfingsten sieht. „Wir würden uns natürlich auch in den unteren Ligen eine solche Verschiebung wünschen. Selbst wenn es schnell aufeinanderfolgende Spieltage geben würde. Hauptsache, die Jungs kämen noch zum Spielen“, so Danny Wilkening. „Das ist angesichts der aktuellen Situation aber noch so weit weg, und außerdem absolut zweitrangig.“

An gemeinsames Training ist derzeit nicht zu denken, auch nicht an Übungsstunden in den einzelnen Units (Bereichen). Dennoch gilt es sich fit zu halten. Und dazu ist jeder einzelne Wolf aufgerufen. Die Spieler erhielten einen abgestimmten Trainingsplan, der u.a. ein gut 30-minütiges tägliches Workout beinhaltet. Bilder davon werden als Anreiz für die Mitstreiter jeweils bei Instagram gepostet. Ergänzt werden die Übungseinheiten für die Spieler durch von ihren jeweiligen Unit-Coaches individuell positionsbezogen ausgearbeiteten Übungen. Als Ersatz für die regelmäßig stattfindenden gemeinsamen Theorieeinheiten werden Online- Meetings abgehalten, durch die Playbooks und andere Dinge verfestigt werden sollen.

Und somit geht der Blick gleich wieder nach vorn, verbunden mit dem Wunsch, dass alle Mitbürger die schwere Zeit gesund überstehen mögen, und der Hoffnung des Wolfsrudels, weiter an ihre Premieren-Saison glauben zu dürfen.

Text: privat, Fotos: Maren Wilkening