Eg Witt: Aussicht – Zuhause im Weserbergland

Eine ART Künstlerbuch

Zum Buch
In der Erzählung, den Lamenti I – III, setzt schnell ein sich Empören des Protagonisten und Jazzliebhabers Alfred Kaltenbach ein. Keine Ruhe lässt ihm der nach seiner Meinung skandalöse Raubbau und die Zerstörung der Wesergebirgslandschaft. Er bricht ausgerechnet an einem ungemütlichen Februarmorgen 2017 auf, den nördlichen Talabschnitt zu durchwandern. Nachdem er der kaliabfallgeschwängerten Weser seine Aufwartung gemacht hat, lässt er beim Durchqueren der Tallandschaft hinsichtlich der extremen Düngemethoden der Bauern seinem Zorn darüber freien Lauf. Das Gleiche geschieht, als er an einer der viel zu vielen Kiesgruben Station macht und sich dann dem Wald sowie den noch verbliebenen Felshängen des Wesergebirges zuwendet. Je länger die Wanderung Kaltenbachs andauert, je mehr Bitterkeit steigt ihm ins Gemüt. Dabei eröffnen sich ihm nur noch reichlich hoffnungslose Aussichten für seine Heimatweide.

Die zweite Hälfte des Künstlerbuches unterfüttert die Eingangserzählung mit einem breitgefächerten Sammelsurium an Bild- und Infomaterial. Das vermag der Kernaussage des Buches, welche schon im Titel mitschwingt, Nachdruck zu verleihen. Mit einer Reihe neuer Gouachen und Gedichten vom Künstler sowie einer Korallen-Ode, einer Collage, der Neuerzählung einer Sage, vielen Fotos, jeder Menge frei von der Leber weg hingehauenen Statements, Zeichnungen, Grafiken, Abbildungen von Versteinerungen, vor allem auch mit ein paar Lieblingsgedichten und Zeilen großer Geister.

Vielem musste vom Autor eine eindeutig anklägerische Note verpasst werden. Schließlich handelt es sich bei dem Dargestellten stellenweise um stark Bedrohtes oder schon um unwiederbringlich Verlorenes.

Insgesamt lässt sich sagen, dass es sich in gewisser Hinsicht um das bisher engagierteste Buch von Eg Witt handelt. Es verfügt bei aller, zum Teil Tragik des Dargestellten immer auch über große Dosen Humor und bissigster Ironie.

Herausgeber W. Stoff, April 2018