Einen Ehrenring für Wagners „Ring“ in Minden


Bürgermeister zeichnet Dr. Jutta Hering-Winckler aus – „Hochwertige und deutschlandweit beachtete Opernereignisse in Minden realisiert“

Minden. Einen langanhaltenden Applaus gab es am vergangenen Donnerstagnachmittag (12. September) in der „Scala“ des Victoria Hotels von den rund 150 Gästen eines Empfanges des Wagner Verbandes Minden. Den Beifall hatte die Überraschung von Bürgermeister Michael Jäcke ausgelöst, als er in seinem Grußwort bekannt gab, dass Dr. Jutta Hering-Winckler mit dem Ehrenring der Stadt Minden ausgezeichnet wird. „Durch Ihren langjährigen, ehrenamtlichen und unermüdlichen Einsatz haben Sie das Ansehen der Stadt Minden in außergewöhnlicher und beispielhafter Weise erhöht“, lobte Jäcke.

Der langjährigen Vorsitzenden des Wagner Verbandes Minden sei es gelungen, „hochwertige und deutschlandweit beachtete Opernereignisse in Minden zu realisieren“, so der Bürgermeister in seiner Laudatio und weiter: „Sie haben das Unmögliche möglich gemacht und deshalb diesen Ehrenring der Stadt wirklich verdient!“ Die seltene Auszeichnung wurde seit 1963 erst 27 Mal vergeben – zuletzt 2016 an den Gründer und Mentor der Mindener Stichlinge, Birger Hausmann. Zu den ersten Gratulantinnen gehörten die Ministerin für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, Isabel Pfeiffer-Poensgen, und Eva Wagner-Pasquier von den Bayreuther Festspielen und Urenkelin Richard Wagners.

Zu dem Empfang hatte der Wagner Verband Minden vor der Premiere des „Rheingolds“ und damit zum Auftakt der ersten „Ring-Oper“ von Richard Wagner eingeladen. Gleich zwei Mal kommt die Tretralogie, die als das größte Theaterwerk der westlichen Welt gilt, in Minden auf die Bühne. Was mit dem „Rheingold“ des ersten Zyklus‘ am 12. September begann, endet am 6. Oktober mit der „Götterdämmerung“ im zweiten Zyklus. Erstmals in einem Programmtheater überhaupt kommt der komplette „Ring“ zur Aufführung. Darauf könne Minden sehr stolz sein, hob Michael Jäcke hervor.

„Wer hätte gedacht, dass es gelingt, den ,Ring des Nibelungen‘ einmal in Gänze in Minden aufzuführen?“ Diese Frage stellte der Bürgermeister mit Bezug auf Dr. Jutta Hering-Winckler in den Raum. Die Antwort folgte prompt: Sie habe daran geglaubt und sie sei stets der Motor „dieser großen Gemeinschaftsleistung“ gewesen. Neben dem Richard Wagner Verband, der sich an „dieses große Wagnis getraut“ habe, waren bei allen Mindener Opernproduktionen die Nordwestdeutsche Philharmonie (NWD) und das Stadttheater Minden die Kooperationspartner.

Was mit dem „Fliegenden Holländer“ im Jahr 2002 begann, auf den 2005 der „Tannhäuser“ folgte, mit dem „Lohengrin“ 2009 und schließlich mit „Tristan und Isolde“ 2012 eine Fortsetzung der Wagner-Opern im Stadttheater fand, „musste eigentlich zwangsläufig den ,Ring‘ nach sich ziehen“, mutmaßte der Bürgermeister. So kam es dann auch. Die vier Ring-Opern wurden von 2015 bis 2018 aufeinanderfolgend in vier Jahren auf die Bühne gebracht. Dafür konnte der Wagner Verband mit Gerd Heinz aus Aachen einen „großen Regisseur sowie großartige Sängerinnen und Sänger“ engagieren, die auf internationalen Bühnen zu Hause sind.

Seit 1999 ist Dr. Jutta Hering-Winckler Vorsitzende des Wagner Verbandes Minden. Das erste große „Geschenk“ haben sie und der Wagner Verband schon drei Jahre nach der Übernahme des Vorsitzes – zum 90-jährigen Vereinsbestehen – Minden und den Opern-Freunden beschert: 2002 den „Fliegenden Holländer“. Zum 100-jährigen Jubiläum wurde am Stadttheater Minden dann „Tristan und Isolde“ inszeniert. Auch gab es 2012 im Februar als „Zugabe“ ein großes Festkonzert im Mindener Stadttheater – ebenfalls mit der Nordwestdeutschen Philharmonie.

„Spätestens zu diesem Zeitpunkt war klar, dass Frau Dr. Hering-Winckler ein Ziel verfolgte: Minden zu einem zweiten Bayreuth zu machen“, sagte Jäcke schmunzelnd. Er meine, dass dieses auch gelungen sei. Denn Kenner hätten ihm berichtet, dass viele Opern-Freunde sehr gerne nach Minden kommen, um Wagners Werke in einem „kleinen, aber feinen Haus mit bester Akustik“ zu erleben. Minden stehe heute für eine Wagner-Tradition und –pflege, die bundesweit einzigartig sei. „Das ist auch Ihrem großen Engagement für die ,Sache Wagner‘ und natürlich auch dem insgesamt erfolgreichen Dialog mit Politik und Wirtschaft zu verdanken“, führte Jäcke weiter – an Dr. Jutta Hering-Winckler gerichtet – aus.

Die Geehrte verwies in ihrem Dank auf die große Gemeinschaftsleistung und sagte, es müssten „noch weitere 400 Ringe geschmiedet“ werden. Die Zahl bezieht sich auf die 400 Mitglieder des Wagner Verbandes Minden, die ihre Ziele stets mitgetragen haben und die sich auch als „großartige Schlummereltern“ erwiesen haben. Als solche bezeichnet Hering-Winckler die Mitglieder, die die Künstlerinnen und Künstler für die Zeit der Proben und der Opern-Aufführungen zu Hause aufgenommen und so viel Geld für die Unterbringung in einem Hotel gespart haben. Hering-Winckler bedankte sich auch bei der Kunststiftung des Landes NRW und bei der Bezirksregierung Detmold für die Förderung der Opern-Produktionen sowie bei vielen Sponsorinnen und Sponsoren. Zudem lobte sie die Nordwestdeutsche Philharmonie, die bei jeder Opernproduktion „wahre Höchstleistungen gebracht“ habe und die für sie „eine Wunderharfe“ sei.

Zuvor sprach NRW-Kultusministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen in ihrem Grußwort das große bürgerschaftliche Engagement und den „außerordentlichen Kraftakt“, den „Ring des Nibelungen“ in einem Programmtheater aufzuführen, an. „Das hat sich weltweit bisher nur der Wagner Verband Minden getraut“, so die Ministerin. Sie erwähnte auch das „Mindener Modell“, das mittlerweile auch von anderen Theatern „erfolgreich kopiert“ worden sei. Die Ministerin meinte damit die 2002 aus der Not heraus geborene Lösung, das Orchester zum „Lohengrin“ mit auf die Bühne zu nehmen. Wegen des zu kleinen Orchestergrabens im Stadttheater Minden sitzen die Musiker*innen der NWD bei Wagner-Opern hinter einem Gaze-Vorhang. Davor agieren die Sängerinnen und Sänger.

Eva Wagner-Pasquier, die sich bereits 2015 in das „Goldene Buch der Stadt Minden“ eingetragen hat, überraschte Dr. Jutta Hering-Winckler mit einer Medaille, die die Aufschrift „The ring is my thing“ (Der Ring ist meine Sache) trug. Sie prognostizierte in ihrem kurzen Grußwort: „Natürlich geht das hier in Minden weiter!“ Im Anschluss an den Empfang wechselte ein Großteil der Gäste ins nahegelegene Stadttheater – zur zweieinhalbstündigen Oper „Rheingold“. Auch hier gab es am Ende langanhaltenden Applaus.

Text +Fotos: Pressestelle der Stadt Minden