Einsatzkräfte der Feuerwehr, der DLRG und des Deutschen Roten Kreuzes üben gemeinsam

Auf der Weser kreuzen schnelle Einsatzboote der DLRG (Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft), deren Helfer versuchen, verzweifelte Menschen vor dem Ertrinken zu retten. Vorsichtig transportieren Einsatzkräfte der Feuerwehr auf Krankentragen schwer verletzte Personen in ein Behandlungszelt in Ufernähe. Dort werden sie von Notärzten, Notfallsanitätern und weiteren Helfern zur weiteren Behandlung übernommen. Zahlreiche Einsatzkräfte sind in das Geschehen eingebunden. Was hier wie ein schwieriges Unfallszenario aussieht, ist kein realer Einsatz, sondern eine nicht alltägliche gemeinsame Ausbildungsveranstaltung des Rettungsdienstes, der DLRG, des DRK (Deutsches Rotes Kreuz) und der Feuerwehr.

Auf dem Wasserübungsplatz der Bundeswehr an der Weser in Minden wurde folgendes Unfallgeschehen angenommen:
Bei einer Public-Viewing-Veranstaltung kommt es zur Auseinandersetzung zwischen Fußballfans, in deren Folge Besucher panikartig das Veranstaltungsgelände verlassen und sich dabei zum Teil schwer verletzen. Um eine möglichst echte Einsatzsituation zu schaffen, wurden die Einsatzkräfte bei der Übung mit etwa 16 realistisch geschminkten Patienten konfrontiert. Diese waren weitläufig bis an das Weserufer heranreichend auf dem Gelände verteilt.

Eine Schadenslage mit einer Vielzahl von verletzten oder erkrankten Personen bedarf bereits im Vorfeld einer umfassenden Planung. Der Kreis Minden-Lübbecke hat für dieses recht seltene Szenario einen Einsatzplan für Schadensereignisse mit einer größeren Anzahl Verletzter oder Erkrankter, den so genannten „MANV-Plan“ (Massenanfall von Verletzten) aufgestellt.

Bei einem derartigen Ereignis sind in engen zeitlichen Grenzen die Patienten zu sichten, zu behandeln und in geeignete Krankenhäuser zu transportieren. Als rettungsdienstliche Besonderheit ist hier zu beachten, dass die Kapazitäten des Regelrettungsdienstes nicht ausreichen, um rasch im erforderlichen Umfang tätig werden zu können. Die Patienten müssen durch einen Notarzt gesichtet werden, um die Behandlungs- und Transportpriorität festzulegen. Gegebenenfalls muss direkt vor Ort behandelt werden. Es müssen vielmehr zusätzliche Kräfte herangeführt werden. Neben dem Einsatzpersonal sind auch zahlreiche Führungsfunktionen zu besetzen, die die besondere Lage strukturieren und organisieren können. Die Einsatzstelle muss gegliedert, überregionale Kräfte müssen angefordert, eingewiesen und zugeordnet werden. Diese Aufgaben werden federführend vom Leitenden Notarzt (LNA) und dem Organisatorischen Leiter Rettungsdienst (OrgL RD) durchgeführt. Bei der aktuellen Ausbildungsveranstaltung wurden als Schwerpunkte die Bereiche Sichtung und Einrichtung einer ersten Behandlungsstelle sowie die Dokumentation geübt, die Fachleute sprechen von einer „Strukturierten Patientenablage“. „Wir verzichten auf große „aufgeblähte“ Einsatzübungen, sondern trainieren lieber modular die einzelnen Komponenten einer Einsatzstelle“, erläutert Dr. Gunter Veit, Ärztlicher Leiter Rettungsdienst des Kreises Minden-Lübbecke. Dadurch sei es möglich, viel intensiver und detaillierter auf Teilaspekte der Schadensbewältigung einzugehen, um sie im Ernstfall professionell zusammenfügen zu können“, führt er weiter aus.

Unter der Leitung des Leitenden Notarztes (LNA) Dr. Dominik Klüppel und Organisatorischen Leiters Rettungsdienst (OrgL RD) Björn Bekemeier waren rund 100 Einsatzkräfte der Feuerwehren Bad Oeynhausen, Hille, Minden und Porta Westfalica, dem Deutschen Roten Kreuz der Kreisverbände Lübbecke und Minden, der DLRG, mehrere Notärzte sowie der Schnelleinsatzgruppe Rettung (SEG Rettung) des Kreises in die halbtägige Ausbildungsveranstaltung eingebunden.

Text: privat
Fotos: Volker Dau/Kreis Minden-Lübbecke