Fünf Jahre Quartiersmanagement in Minden: Rückblick und Ausblick


Minden. Das Quartiersmanagement in Minden gibt es jetzt seit fast fünf Jahren. Gestartet ist das Projekt im Frühjahr 2014 mit Guido Niemeyer in Rodenbeck. Seither hat sich einiges getan. Grund genug um einmal Bilanz zu ziehen – was ist bisher alles passiert und wo soll die Reise hingehen.

Das Team des Quartiersmanagements haben vor rund eineinhalb Jahren vier neue Kolleginnen und Kollegen vervollständigt. In Rodenbeck ist neben Guido Niemeyer jetzt auch Christian Niehage mit an Bord, in Bärenkämpen sind Elke Ruhe-Hartmann und Robin Flor Ansprechpartner*innen und auf der rechten Weserseite kümmert sich Erik Hasse um die Belange aus dem Quartier. Das Team komplettieren Ute Hildebrandt als Koordinatorin sowie mehrsprachige Integrationsassistent*innen.

Ute Hildebrandt zieht eine positive Bilanz. „Es ist uns gelungen mit verschiedenen Akteuren vor Ort eine enge Zusammenarbeit aufzubauen. Mit dabei sind unter anderem Kitas, Schulen, Kirchen und Vereine“. Dabei geholfen haben die vom Land NRW geförderten Quartiersfonds in Bärenkämpen und Rodenbeck. Sie sind ein wichtiges Mittel, um die Menschen zu aktivieren und miteinander ins Gespräch zu bringen. Sehr erfolgreich war die Einrichtung der Quartiersbeiräte. Sie sind das Vergabegremium für die Mittel aus den Fonds. Zufällig ausgewählte Bewohner*innen der Quartiere wurden mit der Bitte um Mitarbeit angeschrieben. Die Resonanz war überraschend hoch, sagt Hildebrandt. Es konnten Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen für die Gremien gewonnen werden. Projektideen kommen nicht nur von Akteuren und Gruppen aus dem Quartier, auch die Bewohner*innen bringen sich aktiv ein. 

Ebenfalls positiv ist der Kontakt zwischen den Quartiersmanagern und den Menschen vor Ort. Sie haben es geschafft sich und ihre Arbeit bekannt zu machen. Daraus sind feste Kontakte erwachsen. Projekte, wie Gärtnern, Kochen und Gestalten, bilden eine gute Basis, um gemeinsam miteinander zu arbeiten. Dabei ist die Niedrigschwelligkeit des Angebots wichtig. „Ein Erfolgsfaktor unserer Arbeit ist unsere sehr gute Vernetzung in den Quartieren“, beschreibt Koordinatorin Hildebrandt. Damit die Arbeit bei den Menschen ankommt, ist auch die dienststellenübergreifende Zusammenarbeit in der Stadtverwaltung notwendig. Die Unterstützung aus den unterschiedlichen Fachbereichen macht es möglich, dass zielgenau unterstützt werden kann.

Um die interdisziplinäre Zusammenarbeit zu stärken, gab es im vergangenen Jahr Sozialraum-Workshops. In Bärenkämpen wurden beispielsweise die Ideen entwickelt interkulturelle Fortbildungen für städtische Mitarbeiter*innen anzubieten, einen Handlungsleitfaden Krisenintervention zu erarbeiten, eine Aufklärungskampagne Häusliche Gewalt ins Leben zu rufen und Mitternachts-Basketball zu realisieren. Auf der rechten Weserseite wurde sich im Workshop auf folgende Projekte vereinbart: ein Konzept zur mobilen Arbeit vor Ort für junge Erwachsene, Mobilitätsangebote im Quartier schaffen, ein niedrigschwelliges Gruppenangebot für Eltern anbieten und einen erlebnispädagogischen Familientag zu veranstalten.

 

Und welche Aufgaben und Projekte stehen in 2019 an?

Wir arbeiten weiter daran verschiedene Beteiligungsformate auszubauen, sagt Hildebrandt. Auch die Weiterentwicklung von internen Strukturen bei der Stadtverwaltung ist eine wichtige Aufgabe. Eine mögliche Vereinsgründung zur Unterstützung der Quartiersarbeit steht auch auf dem Plan und die Zusammenarbeit mit der Fachhochschule und der Universität Bielefeld soll vorangetrieben werden. Dadurch wird die Quartiersarbeit um eine wissenschaftliche Komponente erweitert und wir bekommen ein Tool, um unsere Arbeit auszuwerten, verdeutlicht die Koordinatorin. Momentan ist die Einrichtung und Eröffnung des Begegnungszentrums Bärenkämpen (18. Mai) eine große Herausforderung. Außerdem sollen die Quartiersfonds weiter verstetigt und die restlichen finanziellen Mittel ausgeschöpft werden. 

Für Rodenbeck ist die Maßgabe den zweiten Standort in Zollern zu stabilisieren. Eine interaktive Karte, auf der alle Angebote im Quartier verzeichnet sind, soll entwickelt werden. Außerdem steht eine Sozialraumanalyse für Rodenbeck an. Für alle drei Quartiere bleiben in 2019 die Stärkung und Förderung der ehrenamtlichen Arbeit und die Aktivierung von Multiplikator*innen wichtige Ziele. Die Menschen aus den Quartieren sollen eigene Ideen und Projekte entwickeln – wir unterstützen dabei, unterstreicht Ute Hildebrandt. „Durchlässige“ Quartiersgrenzen sind eine große Chance das eigene Potenzial und das aus den anderen Stadtbezirken auszuschöpfen. Der Generationendialog auf der rechten Weserseite soll intensiviert und die Zusammenarbeit mit der PRIMUS-Schule ausgebaut werden.

Themen, die in den drei Quartieren für dieses Jahr auf dem Plan stehen, sind: interkulturelles Zusammenleben fördern, das freiwillige Engagement stärken, die Digitalisierung und die damit verbundene Frage „Wie erreiche ich verschiedene Zielgruppen auf welchem Weg?“, Qualifizierung und Beschäftigung, Gesundheit im Quartier und Fragen rund um das Thema Wohnen. Um das alles bewältigen zu können, braucht es grenzübergreifendes Denken. „Wenn wir es schaffen gemeinsam Strategien zu entwickeln, dann ist Quartiersarbeit eine große Chance für die einzelnen Stadtbezirke und letztlich für die gesamte Stadt“, unterstreicht Ute Hildebrandt.


Vor welchen Herausforderungen stehen die Quartiersmanager*innen?

Das Thema Zeitmanagement ist in allen drei Quartieren eine Herausforderung. Die Mitarbeiter*innen sind zum einen Ansprechpartner*innen vor Ort in den Büros und auf der anderen Seite sind sie in den unterschiedlichen Institutionen im Quartier präsent. Eine Balance zwischen der Lösung von Einzelfragen und der konzeptionellen Arbeit zu finden, sei nicht einfach. In den Stadtbezirken gibt es unterschiedliche Bedarfe – die Vermittlung von Werten in unterschiedlichen Kulturen, die Entwicklung von niedrigschwelligen Angeboten für Familien und Eltern und auch der Umgang mit häuslicher Gewalt und die Öffnung von Betroffenen für Unterstützungsangebote. „Auch wenn in den vergangenen Jahren viel geschafft wurde, es ist noch ein weiter Weg zu gehen. Gerade bei der Erschließung schwer erreichbarer Zielgruppen, ist es eine gemeinsame Aufgabe am Ball zu bleiben und immer wieder neue Zugänge anzubieten“, fasst Ute Hildebrandt zusammen.

Allgemeine Informationen zum Quartiersmanagement

Das Quartiersmanagement ist wie ein Netzwerkknoten: Die Arbeit verbindet alle Menschen, die sich für das Quartier stark machen. Dazu gehören die Bewohnerinnen und Bewohner, Vereine, Kirchen, Politik, Polizei, Wohnungsgesellschaften, Wohlfahrtsverbände und weitere Haupt- und Ehrenamtliche. Das Ziel ist: Die Quartiere werden lebenswerter, grüner und gerechter. Vor Ort arbeiten Quartiersmanager. Sie haben für die Menschen ein „offenes Ohr“. Ihnen ist es wichtig, mit den Bewohner*innen ins Gespräch zu kommen. Sie wollen Projekte anregen, die die Lebens- und Wohnsituation der Bürger*innen verbessern.
 
Quartiersmanager und Quartiersmanagerin sind Ansprechpartner*in für die Bürgerinnen und Bürger und helfen bei Problemen, sie informieren über bestehende Angebote, Anlaufstellen und Beratungseinrichtungen, greifen Ideen auf und bringen gemeinsam mit Bürger*innen und Akteuren Projekte auf den Weg. Sie stärken freiwilliges und ehrenamtliches Engagement, z.B. Nachbarschaftsprojekte. Außerdem vernetzen sie die verschiedenen Akteure, Institutionen (z.B. Schulen, Kitas), Vereine, Firmen und die Stadtverwaltung.

Quelle/Fotos: Stadt Minden