Hermann Koch: Der Graben

gelesen von D. Böttjer

Robert Walter ist Ende fünfzig. Er ist der Bürgermeister von Amsterdam, ein guter Redner, jovial und sehr volksnah. Aus politischen Intrigen hält er sich raus. Der Vater einer fast erwachsenen Tochter ist lange schon glücklich mit einer südländischen Schönheit verheiratet. Er könnte sein Leben genießen, aber vielleicht trügt ja der Schein. Wo keine Probleme sind werden eben welche gesucht. Robert ist ein umtriebener Mann. Als er auf einem Neujahrsempfang zufällig beobachtet wie sich seine Frau Silvia sehr angeregt und intensiv mit einem seiner politischen Gegner unterhält, wird er misstrauisch und vermutet dass die beiden eine Affäre miteinander haben. Statt Silvia auf seinen Verdacht ihrer vermeintlichen Untreue anzusprechen, steigert er sich in eine Art Wahnsinn hinein. Geradezu manisch wird jedes noch so kleine Detail seines vermeintlichen Nebenbuhlers beobachtet und interpretiert. Er wird zum Voyeur seines eigenen Lebens. Als ob das noch nicht genug Probleme sind kündigen seine Eltern ihm selbstbestimmt an aus dem Leben scheiden zu wollen. Dass sich Roberts Freude über diese Nachricht in Grenzen hält ist verständlich. Trotzdem besucht er mit seinem 90-jährigen Vater den Friedhof. Schließlich will der Rentner sich seine letzte Ruhestätte selbst aussuchen. Per WhattsApp-Nachricht erhält er eines späten Nachmittags die Nachricht, dass seine Eltern jetzt ihren Plan ausführen wollen. Dummerweise kommt es allerdings vollkommen anders als geplant. Um dem ganzen Irrsinn die Krone aufzusetzen wühlt eine Journalistin in Roberts Vergangenheit und fördert skandalöse Dinge zu Tage. Bei so viel Problemen verzweifelt Robert allmählich, aber sicher an jedem Einzelnen. Ist doch alles nur halb so schlimm, oder?

Kiepenheuer & Witsch
ISBN 978-3-462-050-82-0
304 Seiten gebunden
Preis 20,– €