Liebe Handballfreunde, Fans von GWD Minden,

Das darf doch nicht wahr sein. Wann hat es das denn schon mal gegeben, dass GWD Minden in der Kieler Sparkassen-Arena oder – um es an alte Zeiten erinnern zu lassen – der Ostseehalle den Takt vorgibt. „Wir haben Jahrzehnte nach einer guten Leistung aus Kiel nichts mitgenommen“, blickte der Sportliche Leiter Frank von Behren zurück. Und Trainer Frank Carstens sprach direkt nach dem Schlusspfiff davon, „dass ich versuche, mein Wirrwarr in Herz und Kopf zu sortieren. Ich habe meiner Mannschaft verboten, sich zu ärgern. Es hat nicht funktioniert. Wenn wir beim 23:20 noch ein Tor machen, wäre es das gewesen. So treffen wir aber acht Minuten nicht mehr, und so haben die Kieler uns noch einen Punkt stiebitzt, der sich unver dient anfühlt.“

Die Sonne ging auf. Über Kiel, aber nicht für den THW. Vielmehr für die Grün-Weißen, für die ein ehemaliger Kieler die Basis bereitete. „Kim Sonne hat dieses Spiel überhaupt erst ermöglicht, er hat die Kieler reihenweise verunsichert und seine Vorderleute gestärkt“, so Trainer Carstens. Dass es letztlich „nur“ ein 23:23 wurde, mag höchstens als kleiner Schönheitsfehler angesehen werden. Ein für die Spieler letztlich ärgerlicher, denn einen Sieg landet man beim großen THW nicht gerade häufig. Die Chance dazu bietet sich nicht aller Tage. Doch diesmal war einfach alles anders. GWD hatte schon mehrfach angedeutet, dass man in dieser Saison mehr als nur ein Team ist, das um den Klassenverbleib kämpft. Klar steht der bei allen Überraschungen eindeutig an erster Stelle. Die Mindener aber zeigten in vielen Momenten, was sie drauf haben, was alles möglich ist, wenn sie ihr Leistungsvermögen abrufen. Magdeburg deklassiert, Leipzig bezwungen – und nun der Coup an der Ostsee. Das Zusammenspiel zwischen Abwehr und Torhüter war wieder mal der Schlüssel des Erfolgs.

22:32 Punkt, Platz elf – na, wenn das mal nichts ist. Sieben Spieltage vor Serienende hat GWD sieben Punkte Vorsprung auf einen Abstiegsplatz. Und da die Konkurrenz noch hohen Hürden ausgesetzt ist, sich auch noch untereinander Punkte abnimmt, sollte das Polster schon jetzt reichen. Doch damit wird sich Frank Carstens nicht zufrieden geben. Er will mehr. Und in den Heimspielen gegen Melsungen, Hannover, Stuttgart und Berlin sollte ebenso noch was möglich sein, wie auswärts unter anderem in Gummersbach oder Coburg. Die 22 Punkte müssen also noch nicht das Ende der Fahnenstange sein. Neben den schönen Überraschungen sind es aber auch die direkten Kellerduelle, in denen GWD den Grundstein zur vielversprechenden aktuellen Situation legte. Auswärtssiege in Lemgo, Stuttgart und Erlangen sowie der Punkt in Balingen sind mehr, als man erwarten durfte. Und daheim hielt man sich gegen Erlangen, Coburg, Gummersbach, den Bergischen HC und gegen Balingen schadlos, ließ einzig gegen Lemgo als Weihnachtsgeschenk die Punkte liegen. Klasse! Ein Sieg dürfte daher den Klassenerhalt wohl endgültig sicherstellen.

Doch wie geht es danach weiter? Trainer Frank Carstens hat seinen Vertrag noch nicht verlängert. Die grün-weiße Familie hofft hier bald auf Vollzug. Er ist schließlich der Baumeister des Erfolgs. Doch wo sind weitere personelle Baustellen. Helge Freimann, der noch vertraglich bis 2018 gebunden ist, hat nur wenig von dem bestätigen können, was man sich von ihm versprochen hat. Nenad Bilbija hat auch bis Juni 2018 Vertrag. Doch gesehen hat man ihn auf der Platte schon lange nicht mehr. Sind wir ehrlich: Sie blockieren Plätze für mögliche Verstärkungen. Die Verträge von Magnus Jernemyr, Miladin Kozlina und Joakim Larsson laufen derweil aus, während bei Sören Südmeier die Zeichen nicht zwangsläufig auf Abschied stehen müssen. Bei Florian Freitag ist der Abschied bereits beschlossen. Er verlässt GWD auf eigenen Wunsch, denn er will sich mehr auf seine berufliche Zukunft konzentrieren. Florian wird den Verein Richtung HSG Burgwedel verlassen und deren Team in der dritten Liga unterstützen. „Wir sind natürlich traurig über Flos Entscheidung, aber wir respektieren sie!

GWD Minden holt Miljan Pusica der ab dem Sommer das Trikot von GWD tragen soll. Pusica kommt vom polnischen Vizemeister und Champions League-Teilnehmer Wisla Plock und spielt im linken Rückraum. Er unterschrieb einen Zweijahres-Vertrag. Mal sehen, was sich in den nächsten Wochen bei den Personalentscheidungen bei GWD noch tut?