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„Wenn wir gut spielen, können wir Magdeburg Schwierigkeiten machen“, sagte Frank Carstens vor der jüngsten Bundesliga-Hürde in Sachsen-Anhalt. „Denn wenn der Gegner einmal ins Laufen kommt, ist er kaum zu stoppen. Unser Job muss es sein, Steine in sein Getriebe zu werfen und den SCM in Situationen zu bringen, die er nicht so gerne hat.“ Alles sehr viel leichter gesagt, als getan.
Die Wiegert-Sieben, die vielleicht das beste Tempospiel der Liga aufzieht, nutzte die eklatanten Angriffsschwächen denn auch eiskalt aus und hatte die Partie beim 19:11 dank zahlreicher erfolgreicher Gegenstöße auch schon zur Pause zu seinen Gunsten entschieden. Nun sind die Grün-Weißen durch die längeren Ausfälle von Charlie Sjöstrand (Knorpelschaden im Knie), Nenad
Bilbija (Muskelfaserriss), Kim Sonne Hansen (Bandscheibenvorfall) und Sören Südmeier (Bauchmuskelverletzung) sicherlich personell arg geschwächt, umso wichtiger ist es in solchen Situationen aber, dass man die taktische Disziplin hochhält, das Angriffsspiel konzentriert vorträgt und das Rückzugsverhalten gegen einen solchen Gegner nicht zu einer leeren Worthülse verkommen lässt. Hinzu kommt eine entsprechend aus Engagement und Aggressivität geprägte Einstellung, die Minden vor über 5000 Zuschauern in der Bördelandhalle ebenfalls vermissen ließ. 31 Würfe nahm sich der GWD-Rückraum, nur elf, davon lediglich neun aus der Distanz, fanden ihr Ziel. Allein Christoffer Rambo, der der Form des Vorjahres noch hinterherhinkt, netzte bei 14 Versuchen ganze fünfmal ein. 20 Fahrkarten also – hinzu kamen noch zwei vergebene Siebenmeter –, die es den Hausherren viel zu einfach machten, selbst in einer schwachen Phase zu Beginn der zweiten Hälfte, als es die Carstens-Sieben verpasste, vom 18:23 auf durchaus mögliche zwei, drei Treffer Rückstand zu verkürzen, den Gast locker und leicht auf Distanz zu halten.

Nach der Neun-Tore-Klatsche weisen die Grün-Weißen hinter dem immer noch punktlosen Schlusslicht aus Lübbecke mit minus 24 Treffern die zweitschlechteste Bilanz der Liga auf. Gegner auf Augenhöhe wie Lemgo (+2), Stuttgart (-5), Erlangen (-7) weisen aktuell durch einige Überraschungen auch mehr Punkte auf der Habenseite auf. Magdeburg war nach der völlig desolaten Vorstellung bei der 22:37-Lektion bei den Rhein-Neckar Löwen bereits die zweite derbe Schlappe, die es einzustecken galt.

Vier Punkte haben die Mindener bislang eingefahren. Angesichts des Auftaktprogramms durchaus zufriedenstellend. Und dennoch hakt es noch kräftig. Dabei dürfen die personellen Probleme aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Eindruck erweckt wird, dass der unbändige Glaube, den das Team noch vor Jahresfrist auszeichnete, aktuell nicht in gleichem Umfang vorhanden ist. Beim Unentschieden gegen Göppingen sah man zumindest ein Aufbäumen. Und als es besser lief, auch einen großen Kampf. Trainer Carstens war aber heilfroh: „Die Aggressivität in der Abwehr hat uns Sicherheit gebracht und so haben wir am Ende, wenn auch glücklich, das Remis geholt.“ Aber auch er musste registrieren, dass seine Mannen die erste Halbzeit völlig verschlafen hatten und es durchaus eine deftige Heimniederlage hätte geben können. Gerade im linken Rückraum schmerzen die Ausfälle. Hier ist Marian Michalczik aktuell auf sich allein gestellt, da Nenad Bilbija nach seinem Muskelfaserriss mal wieder wochenlang ausfällt und Miljan Pusica im Angriff noch nicht zum Zuge kommt. Momentan fokussiert sich der Neuzugang noch auf die Abwehr. Auch die spielstarke Variante mit Dalibor Doder und Sören Südmeier ist durch die Bauchmuskelverletzung von „Südi“ aktuell nicht greifbar. Erfreulich allerdings, dass Andreas Cederholm inzwischen einen sehr großen Sprung nach vorn gemacht hat und sich als spielstarkes Pendant zum wurfgewaltigen Christoffer Rambo präsentiert. Außerdem hat ihn Frank Carstens angesichts der Probleme im linken Rückraum auch schon in die Mitte beordert, wo er dann mit Dalibor Doder und Rambo agiert.

Für den verletzten Charlie Sjöstrand agiert der GWD-Coach indes mit Nachwuchsmann Mats Korte auf Linksaußen, für den ausgefallenen Keeper Kim Sonne Hansen mit der eigentlich für das Drittligateam vorgesehenen Nummer drei Maurice Paske. Hier darf sich Minden allerdings glücklich schätzen, in Zugang Espen Christensen einen bärenstarken Mann für das Tor verpflichtet zu haben.

Die Saison ist noch sehr jung, da hat GWD aber schon mit seinem ersten Schützling verlängert: Magnus Gullerud bleibt ein Mindener. Der Kreisläufer der norwegischen Nationalmannschaft unterschrieb für weitere zwei Jahre bis 2020. Gullerud trägt seit dem Wiederaufstieg im Sommer 2016 das GWD-Trikot. Der 25-Jährige hatte in der vergangenen Saison in 25 Einsätzen 69mal
getroffen. Mit einer Trefferquote von über 86 Prozent zählte der 1,94-Meter-Mann dabei zu den zuverlässigsten Schützen der Liga. Im Nationaltrikot hat Gullerud mittlerweile 81 Einsätze bestritten und dabei 93 Tore erzielt.

„Ich bin sehr froh, noch zwei Jahre hier in Minden spielen zu können. Ich hoffe, ich kann mich weiter verbessern und als Spieler entwickeln. Ich möchte GWD helfen, in den kommenden Jahren ein stärkeres Team zu werden“, sagt Gullerud und auch Trainer Frank Carstens ist froh, noch länger mit seinem Kreisläufer planen zu können: „Magnus ist ein vorbildlicher Sportler und eine Säule unseres Teams. Er hat sich sehr schnell an die deutsche Liga gewöhnt und seine Leistung auf hohem Niveau stabilisiert. Es ist ein gutes Zeichen, dass ein Spieler seiner Qualität die Entwicklung von GWD weiter vorantreiben will.“