Liebe Handballfreunde, Fans von GWD Minden

Kaum begonnen, liegt ein Drittel der Hinrunde der Saison 2018/2019 in der 1. Handball-Bundesliga schon wieder hinter uns. Und es lief eigentlich alles wie erwartet, zumindest wenn man auf die Ergebnisse von GWD Minden schaut. Ein verlorenes Heimspiel zum Auftakt gegen Meister Flensburg sowie Niederlagen in Berlin, Hannover und Magdeburg sind als normal einzustufen, ebenso die beiden erfolgreich gelösten Hausaufgaben gegen Ludwigshafen-Friesenheim und Erlangen. Die Grün-Weißen sind also in der Spur – keine Ausreißer nach oben, aber auch keine nach unten. Das jedenfalls sagt der Blick auf die nackten Ergebnisse aus.

Steigt man allerdings tiefer in die jeweiligen 60 Minuten ein, sieht man, dass Minden auf der einen Seite so manchen Favoriten hat kräftig ärgern können, dafür aber gegen das im unteren Drittel zu erwartende Duo zum Teil große Mühe hatte. Die Schwankungen sind derzeit noch recht groß im Team von Frank Carstens, was sicherlich auch damit zu tun hat, dass das Verletzungspech bereits in ausreichendem Maße zugeschlagen hat. Erst die Kreuzbandverletzung von Neuzugang Savvas Savvas, dann zu Beginn gleich ein angeschlagener Marian Michalczyk, dem wenig später mit Regisseur Dalibor Doder und Abwehrchef Miljan Pusica parallel gleich zwei Stützen wegbrachen sowie schließlich in Magdeburg auch noch Linkshänder Andreas Cederholm – einem geordneten Mannschaftsspiel ist das zweifellos nicht förderlich.

Nach dem überzeugenden Auftritt trotz Niederlage gegen Meister Flensburg war Mindens erster Gastgeber, die Füchse Berlin gewarnt. Aber auch die Hauptstädter mussten beim knappen 29:27 die Erfahrung machen, dass man die Carstens-Sieben nicht mal soeben im Vorbeigehen schlägt. Hätte Christoffer Rambo, wie in so mancher Partie zu Saisonbeginn, nicht neben seinen Schuhen gestanden, wer weiß, was vielleicht herausgesprungen wäre. Die Treffer des Torjägers fehlten jedenfalls.
Dennoch: „Die Jungs haben 60 Minuten lang an sich geglaubt und einen disziplinierten Auftritt mit einem akzeptablen Ergebnis abgeliefert“, war Coach Carstens nicht unzufrieden.

Weniger überzeugend war indes der erste Auftritt als Favorit. Gegen die Eulen aus Ludwighafen, die für viele Fachleute als Absteiger gelten, lief es für die Grün-Weißen zunächst nach Plan. Beim 16:8 wähnte man sich vor der Pause bereits auf die Siegerstraße. Und hätte es definitiv auch sein müssen! Die körperlich robusten und hart kämpfenden Gäste wollten sich aber nicht abschlachten lassen und fanden, begünstigt durch GWD, mit großem Kampf wieder ins Spiel. In gleichem Maße wurde Minden immer nervöser, hatte den vorgegeben Pfand längst verlassen – und drohte beim 27:27 sogar noch zu verlieren. Neuzugang Kevin Gulliksen schickte sich dann zum Mann des Spiels an und traf drei Sekunden vor Schluss zum glücklichen 29:28. Aufatmen, denn dieser Sieg war Pflicht. Übrigens: Auch in diesem Spiel war von Rambo nichts zu sehen.

Dafür endlich im nächsten. Den vielen Fahrkarten des Norwegers in den ersten Spielen standen in Hannover auch wieder Tore gegenüber. Tore, die GWD unbedingt benötigt. Dennoch reichte es auch beim nächsten Großen nicht zum Sieg. 45 Minuten hielt Minden dagegen, am Ende gab es eine 25:30-Niederlage. Carstens: „Wenn man hier gewinnen will, muss man an sein Limit gehen und das ist uns nicht gelungen. Nach der Pause haben wir die Dinge im Tempospiel nicht mehr hinbekommen und uns dadurch verunsichern lassen.“

Nah dran, aber wieder vorbei! Das sollte im dritten Heimspiel anders werden. Allerdings nicht aufgrund einer eigenen bärenstarken Vorstellung, sondern durch kräftige Unterstützung des HC Erlangen. Eine Unmenge an technischen Fehlern der Gäste nutzten die Grün- Weißen aus, um früh für klare Verhältnisse zu sorgen und einen Start-Ziel-Sieg zu landen. Rambo, der langsam in Fahrt kommt, und Gulliksen besaßen dabei die größte Durchschlagskraft. „Mit Mats Korte, Marian Michalczik, Aliaksandr Padshyvalau und Kevin Gulliksen haben vier ganz junge Spieler unser Spiel getragen. Wir haben die Ausfälle von Dalibor Doder und Miljan Pusica gut weggesteckt und sind souverän mit dem Druck umgegangen. Wir haben Erlangen nie in die Partie kommen lassen“, war Frank von Behren, Geschäftsführer Sport, sichtlich zufrieden.

Der wäre wenig später im Pokal gern weitergekommen, doch daheim gab es die nächste Niederlage gegen Berlin. Wer im ersten Abschnitt den Kampf nicht annimmt, bekommt aber auch die passende Quittung dafür. Und so bedeutete das 9:17 beim Seitenwechsel schon das Aus. Am Ende hieß es 26:31, für einen Sieg kam Minden zu keinem Zeitpunkt in Frage! Frank von Behren: „Für das, was in der ersten Halbzeit passiert ist, fehlt mir jegliche Erklärung. Die Mannschaft war für dieses Spiel einfach nicht bereit. Insgesamt ist es enttäuschend, was wir abgeliefert haben.“ Und Carstens ergänzt mit Blick auf Hälfte eins: „Wir haben viel zu wenig investiert und mit zu wenig Überzeugung agiert.“

Ähnlich deutlich kam GWD – fast schon traditionell – gegen den SC Magdeburg unter die Räder. Am Ende betrug die Differenz beim 31:40 satte neun Treffer. In der Bördelandhalle hingen die Trauben aber ohnehin sehr hoch, denn der SCM war drauf und dran, als verlustpunktfreier Tabellenführer mit einem Sieg gegen die Mindener mit dann 14:0 Punkten einen neuen persönlichen Startrekord aufzustellen. Der geriet zwar nie in Gefahr, die Grün- Weißen boten aber über weite Phasen der Partie keine schlechte Leistung. Magdeburg war schlicht eine Nummer zu groß.

Das scheint aktuell weiter das Problem zu sein. Minden hält gegen die Großen zum Teil über weite Strecken mit, etwas Zählbares springt aber (noch) nicht heraus. Derweil tut man sich gegen die auf Augenhöhe agierenden Teams derzeit noch recht schwer. Von weiterem Verletzungspech verschont zu bleiben, ist insbesondere für die Defensive gut. Sie ist gefordert, schnell wieder zu einem Bollwerk zu werden, das gegnerische Fehler provoziert und nach Ballgewinne das eigene Tempospiel ankurbelt. Die nächste Chance dazu bestand gegen den TVB Stuttgart. Eine Hausaufgabe, die bei Redaktionsschluss noch nicht ausgetragen war, die aber nur einen Sieger haben durfte: GWD Minden!

Foto: Trend Journal Claus Perner