Lindern und trösten


Wenn die Clowns „Franz“ (Detlev Schmidt) und „Karlotta“ (Kirsten Moritz) die Patienten der Palliativstation besuchen, ergeben sich oft ganz besondere Momente.

Großer Andrang beim Tag der offenen Tür in der Palliativstation im Universitätsklinikum Minden

Minden, 12. Februar 2020. „Heilen manchmal, lindern oft, trösten immer“ – in diesen knappen Worten ist zusammengefasst, was den Arzt- und Pflegeberuf ausmacht. Dieses Zitat stellte Oberarzt Dr. Parvis Sadjadian seinem Vortrag voran, den er am Tag der offenen Tür der Palliativstation im Johannes Wesling Klinikum (JWK) gehalten hat.

Heilung: Das ist auf der Palliativstation keine Option. Umso mehr stehen hier Linderung und Trost im Fokus. Hier wird alles darangesetzt, Patienten mit einer unheilbaren, schon weit fortgeschrittenen Erkrankung ein Maximum an Lebensqualität zu ermöglichen. Mit den Mitteln der modernen Medizin, aber auch im Zusammenwirken eines multiprofessionellen Teams, zu dem speziell ausgebildete Pflegerinnen und Pfleger ebenso zählen wie Ergo- und Physiotherapeuten, Psychologen und Seelsorger. „Eine Palliativstation ist keine Station für sterbende Patienten“, macht Dr. Sadjadian deutlich. „Es ist eine Station, in der aktive Therapie betrieben wird.“

Zum zweiten Mal seit der Eröffnung der Palliativstation im Jahr 2012 waren alle Interessierten zum „Tag der offenen Tür“ eingeladen. Zehn Betten gibt es hier, überwiegend für Patienten mit einer Krebserkrankung im Endstadium. Was die Station schon auf den ersten Blick als etwas Besonderes ausweist, ist ihre untypische Gestaltung. Dazu gehören ein einladender Eingangsbereich, ein Bodenbelag in Holz-Optik, der so gar nicht an einen Krankenhausflur denken lässt; kräftige, warme Farben an den Wänden – und ein gemütlicher Aufenthaltsraum im Herzen der Station. Mit einer vollständig eingerichteten Küche, wo die Grünen Damen am Tag der offenen Tür Waffeln für die Besucher bereithielten. Mit einem bequemen Massagesessel, in dem sich gut entspannen lässt, und einer Couchecke, wo man mit der Familie zusammensitzen kann. „Sogar eine Hochzeit hat in diesem Raum schon stattgefunden“, erinnert sich Alexandra Fischer, die seinerzeit an der Umsetzung des Projekts Palliativstation beteiligt war. Der Aufenthaltsraum sei „ein Platz zum Luftholen – auch für die Angehörigen“.

Von all dem konnten sich Besucher am Tag der offenen Tür selbst ein Bild machen. Sogar der Blick in eines der Patientenzimmer war möglich – auch hier freundliche Farbigkeit und an der Zimmerdecke über den Betten Bilder mit auswechselbaren Motiven, als Hingucker für die bettlägerigen Patienten. Lauter Details, die dazu beitragen, den Aufenthalt zu erleichtern. „Man versucht, es den Menschen so angenehm wie möglich zu machen“, bestätigt Pasquale Pusch, Angehöriger eines Patienten. „Es ist gut, dass die Öffentlichkeit durch die heutige Veranstaltung darauf aufmerksam gemacht wird, was hier für die Patienten und für ihre Angehörigen geleistet wird,“ meint er. „Man fühlt sich sehr gut aufgehoben und betreut. Wir sind froh, dass es diese Station gibt.“

Begonnen hatte der Tag der offenen Tür mit Musik: Gospelgesang des Chors „Rehmissimo“ erfüllte die Station – „darauf hatten sich unsere Patienten besonders gefreut“, berichtet Ilona Kuhlmeier, pflegerische Leitung der Palliativstation. Die Akzeptanz der Patienten für die Veranstaltung sei sehr groß gewesen, zumal darauf geachtet wurde, die Beeinträchtigungen für den Stationsalltag so gering wie möglich zu halten. Das meiste fand in den Seminar- und Behandlungsräumen außerhalb der Station oder in den benachbarten Hörsälen statt, etwa die verschiedenen Beratungsangebote und praktischen Vorführungen (Aromatherapie, Klangschalen).
Im Campusgebäude stießen nicht nur die Fachvorträge auf großes Interesse. Auch Vereine, Organisationen und Kooperationspartner der Station stellten sich dort vor: der Hospizkreis Minden zum Beispiel, die Klinikclowns „Karlotta“ und „Franz“ oder der Verein „Weserbergländer Herzen helfen“, der die Palliativstation mit handgearbeiteten Kissen unterstützt. Außerdem hatte der Förderverein Onkologie und Palliativmedizin am Johannes Wesling Klinikum Minden (OnkoPall Minden) eine große Tombola organisiert.

„Schon bei unserem ersten Tag der offenen Tür vor sieben Jahren hatten wir viele Besucher, damals vor allem aus Neugier, was hier entstanden ist. Das hat sich inzwischen zu einem bleibenden Interesse an unserer Station und unserer Arbeit gewandelt und darüber freue ich mich. Wenn das Thema Palliativversorgung kein Tabuthema mehr ist, ist das auf lange Sicht das, was unseren Patienten am besten hilft“, so Ilona Kuhlmeiers Fazit.

Ebenfalls sehr zufrieden mit dem Besuch der Veranstaltung war der medizinische Leiter der Palliativstation, Dr. Parvis Sadjadian. Aber: „Wenn man den großen Zuspruch der Vorträge betrachtet und die Fragen, die die Zuhörer im Anschluss stellen konnten, sieht man auch, dass der Informationsbedarf noch nicht gedeckt ist.“ Und nicht nur der Informationsbedarf, so der „OnkoPall“-Vorsitzende und ehemalige Ärztliche Direktor des Mindener Klinikums, Professor Dr. Heinrich Bodenstein. Sein Wunsch: eine deutlich erweiterte „interdisziplinäre Palliativstation, auf der mehr Patienten aus allen Bereichen – Onkologie, Neurologie, Lungen- oder Nierenerkrankungen – versorgt werden können.“

Text + Fotos: privat

Oberarzt Dr. Parvis Sadjadian, medizinischer Leiter der Palliativstation, hält einen Vortrag über die Aufgaben und die Geschichte der Palliativmedizin.
Die Fachvorträge im Hörsaal 1 des Campus-Gebäudes sind durchweg gut besucht.
In den Patientenzimmern, von denen eines besichtigt werden konnte, dominieren kräftige, warme Farben. Prof. Dr. Heinrich Bodenstein und Alexandra Fischer vom Verein „OnkoPall Minden“, Physiotherapeutin Marjon Grefte, Kunst- und Ergotherapeutin Ellen von dem Berge und Alexandra Fischer („OnkoPall Minden“, von links), standen wie die das gesamte Team der Palliativstation für Fragen der Besucher bereit.
Große, ansprechende Fotos an den Wänden gehören mit zum besonderen Konzept der Gestaltung der Station.
Beim Vortrag von Friederike Weihe und Astrid Baum ließ sich die therapeutische Wirkung von Klangschalen am eigenen Leib spüren.