Maybach Guitars – Die Story by Toni Götz

Es war an einem Freitagabend. Im Bayerischen Rundfunk lief die Sendung „Die Schlager der Woche“. Mehr oder weniger bestand die Sendung, aus dem üblichen musikalischen Einheitsbrei, der das damalige Radioprogramm bestimmte. Plötzlich änderte der Moderator der Sendung seine Stimme und kündigte eine neue Band aus England an. Die Beatles. Das erste Mal hörte ich Twist and shout. Unser neues Röhrenradio musste das Letzte geben. Die Lautsprecher waren hoffnungslos überfordert, aber der Sound war einfach unfassbar packend und ich wollte es laut hören. Das Beatles – Fieber hatte mich gepackt und der Sound ließ mich nicht mehr los. Ich wollte unbedingt Gitarre spielen und zwar genau so, wie ich es im Radio gehört hatte. Mit dem Sound und laut. Sehr laut.

Ich erinnere mich noch genau daran, wie plötzlich all meine Gedanken zu kreisen anfingen. Wie bekomme ich einen Plattenspieler her? Woher eine E-Gitarre? Wir wohnten auf dem Land. Jemanden zu finden, der genau so Gitarre spielen konnte war einfach unmöglich. Damals waren die finanziellen Mittel meiner Eltern sehr begrenzt und meine Wünsche blieben zunächst wirklich nur Wünsche. Eines Tages kam mein Vater mit einer gebrauchten Wandergitarre nach Hause. Es war irgendeine
No Name Gitarre, was mir jedoch völlig egal war. Hauptsache eine Gitarre. In einem Radiogeschäft besorgte ich mir ein paar Radioknöpfe und klebte sie auf die Decke der Gitarre. Wenn ich schon keine E-Gitarre hatte, dann sollte sie doch wenigstens so aussehen. Schaller bot einen Pickup zur Halsmontage an. Das Kabel hing lose über die Decke der Gitarre. Auf der Rückseite unseres Röhrenradios gab es einen Diodenstecker, an dem man die Gitarre anschließen konnte. Immerhin hatte ich einen Hauch von E-Gitarrenfeeling.

Ab jetzt beschäftigte ich mich in jeder freien Minute mit meiner Gitarre. Mein Vater zeichnete mir
Akkorddiagramme in ein Schulheft, die ich stundenlang übte, bis ich alle möglichen Akkordfolgen flüssig spielen konnte. Die Stahlsaiten der Gitarre gruben sich in meine Fingerkuppen, die anfangs wie Heizspulen glühten und furchtbar schmerzten. Nach ein paar Wochen bildete sich endlich und Gott sei Dank die Hornhaut, die das Greifen ohne Schmerzen erlaubt. Nach und nach änderte sich das Radioprogramm und auch die Musik, die gespielt wurde. Immer mehr Bands schossen wie Pilze aus dem Boden. Zudem veränderte sich der Musikstil rasend schnell. Gitarristen wie Eric Clapton, Ritchie Blackmore, Rory Gallagher und vor allem Jimi Hendrix läuteten eine neue Ära ein. Insbesondere
Jimi Hendrix war der Hero aller jungen Gitarristen. Man denke nur an Songs wie Hey Joe, Purple Haze oder all along the Watchtower. Das war die musikalische Rebellion und Revolution überhaupt. Die Musik war laut, schrill und provokant.

Mein stundenlanges Üben bescherte mir in meinem Freundeskreis Respekt und es sprach sich herum, dass es da einen jungen Gitarristen gab, der gar nicht so schlecht Stücke von Hendrix und Clapton spielen kann. Ich wurde zu einer Probe einer amerikanischen Band eingeladen, die mich noch am gleichen Abend engagierte. Fortan spielte ich in einer Floor show Band in einem amerikanischen Club in Schweinfurt, was mir sehr viel Spass gemacht hat. Ach ja, fast hätte ich es vergessen das zu erwähnen. Ein Bandmitglied verkaufte mir damals eine 60er Strat in salmon pink für 300 DM. Die Gitarre klang toll, hatte aber diese seltsame Farbe, die ich damals als grauenhaft
empfand. Irgendwann verkaufte ich die Strat und kaufte mir eine 50er Gold Top. Auch nicht schlecht. Man darf nicht zurückdenken, was man damals für diese Instrumente bezahlt hat. Die Gitarren wären heute das zig-fache wert. Während dieser Zeit reifte in mir der Wunsch Berufsmusiker zu werden. Mein Vater bestand jedoch darauf, dass ich zunächst einen „anständigen“ Beruf erlernen müsse. Man wisse ja nie, was kommt und mit Musik allein könne man ja auf keinen Fall leben. Industriekaufmann in einem grafischen Betrieb erschien mir damals ein einigermaßen akzeptabler und gangbarer Kompromiss. Aus heutiger Sicht muss ich allerdings zugeben, dass ich meinem Vater für diesen seinen Standpunkt und dass er ihn mir gegenüber auch durchgesetzt hat auch sehr dankbar.

1975 war es dann endlich so weit. Ich bestand die Aufnahmeprüfung an der Musikhochschule in Würzburg und fühlte mich endlich angekommen. Ein paar Jahre später gründete ich das Würzburger Gitarrentrio, mit dem ich bis 1983 durch die Konzertsäle Europas tourte, Schallplatten aufnahm und relativ erfolgreich war. Als sich das Ensemble 1983 auflöste, startete ich zwar mehrere Versuche das Trio noch einmal neu zu reanimieren. Leider blieben meine Versuche jedoch ohne Erfolg. Mittlerweile hatte ich neben meiner Konzerttätigkeit einen Lehrauftrag am Hermann-Zilcher-Konservatorium und
an der Musikhochschule Würzburg und war als freiberuflicher Dozent für Gitarre im In- und Ausland unterwegs. Eines Sommers verbrachte ich meinen Urlaub in Madrid und Granada. Schon immer war es mein Wunsch, die bekannten spanischen Gitarrenbauer zu besuchen und kennenlernen. Trotz meiner nicht vorhandenen Spanienkenntnisse klappte die Verständigung mit den meisten Gitarrenbauern bestens. Musik verbindet eben immer und baut Brücken.

Der Zufall wollte es so, dass mir zwei der bekanntesten madrilenischen Gitarrenbauer anboten, ihre Instrumente in Deutschland zu verkaufen. Mit einem Mal befand ich mich auf der anderen Seite des Tisches. Es war eine vollkommen neue Herausforderung, Gitarren zu verkaufen, anstatt sie auf der Bühne zu spielen. Ich freute mich jedes Mal, wenn ein Gitarrist mit leuchtenden Augen seine Gitarre bei mir gefunden hatte. Im Laufe der Jahre erweiterte sich mein Produktportfolio und es kamen immer mehr internationale Marken hinzu. Zum Produktportfolio meiner Firma gehörten Hersteller aus den USA, Korea, China, Japan, England, Tschechien und Spanien. Entsprechend dem ständig wachsenden Produktportfolio, wuchs auch meine berufliche Belastung. Anfangs des neuen Jahrtausends spürte ich deshalb immer öfter, dass mich der Job ausbrannte, was 2004 in einem klassischen Burn Out endete. Ich fühlte mich leer und meine Kreativität schien mir abhandengekommen zu sein. Ich brauchte eine Pause. Zeit um Kraft zu tanken und mich wieder neu zu sortieren. Mein Entschluss stand fest. Ab sofort würde ich mich nur noch um die Kreation eigener Instrumente kümmern. Eine eigene Marke schaffen.

Im Herbst 2005 gründete ich meine jetzige Firma, iMusicnetwork. Es war alles andere als eine einfache Aufgabe, einen eigenen Gitarrenbrand aus dem Boden zu stampfen. Die vielleicht größte Herausforderung empfand ich darin, eine Manufaktur in Europa aufzubauen, um jedes Instrument mit dem Siegel „made in Europe“ ausstatten zu können. Hatten doch mittlerweile so gut wie sämtliche Hersteller den Bau ihrer Instrumente nach Fernost verlagert. Mir war natürlich auch bekannt, dass es einige Markeninhaber mit der Wahrheit nicht so genau nahmen, wenn es sich um den Herkunftsnachweis handelte. Da wurde auch schon mal gesagt „made in…..“, obwohl es Brancheninsidern bewusst war, dass die Instrumente in China, Korea oder Indonesien gebaut wurden.
Der Firmenname sagt eigentlich schon fast alles über mein tägliches Tun aus. Ich bin und fühle mich als ein kreativer Träumer, Visionär und „Strippenzieher“. Ich entwickle Ideen, erträume Gitarren, die es teilweise so nicht gibt und verwirkliche meine Träume mit Hilfe eines kleinen Teams von Künstlern, Designern, Kunsthandwerkern und Instrumentenbauern.

Wenn man sich die Instrumente von MAYBACH genauer anschaut, wird man immer wieder auf neue
Kleinigkeiten stoßen, die man beim ersten Hinschauen vielleicht übersehen hat. Deshalb verstehe ich unsere Instrumente auch als kleine Kunstwerke, die mehr sind, als bloße Arbeitsgeräte für Gitarristen.
Mittlerweile können wir auf eine kleine Armee hochklassiger Handwerker zurückgreifen. So ist zum Beispiel einer unserer Kunsthandwerker ein absolutes Genie und gehört zu den besten Graveuren der
Welt. Seine Pickguards sind Meisterwerke der Handwerkskunst, die jede unsere Gitarren zu einem Unikat machen. In unserem Workshop in Tschechien veredeln und agen einige Spezialisten, die im Übrigen regelmäßig für das tschechische Nationalmuseum arbeiten, Lack- und Metalloberflächen und geben so unseren Maybach Instrumenten den Touch einer natürlich gealterten Gitarre. Wir verwenden zum Teil Techniken, die über Jahrhunderte weiter- entwickelt wurden. Übrigens, was viele nicht wissen. Hier handelt es sich um keinen Modetrend. Die Technik des künstlichen Alterns von Instrumenten und/oder Gebrauchsgegenständen, hat Tradition und ist mehrere hundert Jahre alt. Schon im 16. Jahrhundert haben die besten Instrumentenbauer ihrer Zeit, die Oberflächen, d.h., das Holz von Lauten, Gamben und Blasinstrumenten, bearbeitet und künstlich gealtert. Schon damals wollte kein Musiker auf einem Instrument spielen, das neu oder ungebraucht aussah.
Schließlich wollte man jedem Zuschauer zeigen, dass man ein versierter Spieler ist, der viel auf seinem Instrument zu Gange ist, welches dann natürlich auch entsprechend aussieht.

Ich freue mich natürlich, dass unsere MAYBACH Gitarren von vielen Gitarristen begeistert angenommen wurden und wir es doch in einer vergleichsweise kurzen Zeitspanne geschafft haben, die Herzen zahlreicher Gitarristen zu erobern. Inzwischen bauen wir ca. 1500 Instrumente pro Jahr, Tendenz steigend. Die Akzeptanz nimmt trotz Corona ständig zu, was sicher auch darauf zurückzuführen ist, dass wir trotz des schnellen Erfolges die Bodenhaftung nicht verloren haben. Im Zentrum unserer Arbeit steht immer der Musiker mit seinen Bedürfnissen, und seiner Erwartungshaltung an sein Instrument. Diese Herausforderung ist für uns die treibende Kraft, unsere Motivation und die „Droge“, die unsere Kreativität beflügelt.

Die Story ist noch lange nicht zu Ende geschrieben! Toni Götz
iMusicnetwork, Am Rehberg 15, 97268 Kirchheim 
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Fotos: iMusicnetwork