Mensch – wo bist du?

(Foto: Hartmut Damke, Welthaus Minden)

StreetArt Projekt lenkt Blick auf drängende Themen unserer Zeit

Das Welthaus Minden hat in Kooperation mit verschiedenen Akteuren und Akteurinnen ein weiteres Kunstprojekt in der oberen Altstadt verwirklicht. Die sog. Weltmauer widmet sich hochaktuellen und globalen Fragen. Im Rahmen der Kampagne „Weltbaustellen NRW“ sind dazu im gesamten Bundesland großformatige Wandbilder entstanden, die sich inhaltlich mit den17 Zielen für nachhaltige Entwicklung (Agenda 2030) auseinandersetzen und diese in den öffentlichen Raum bringen. Das neue Kunstwerk an der Mauer der Simeons Herberge ist eine Fortführung des großformatigen Klimabildes, das im letzten Jahr an der Ecke Königstraße/Simeonskirchhof entstand.
„Wir brauchen den Austausch und die Auseinandersetzung miteinander über die Frage, wie wir in dieser Welt zusammen leben wollen und wo wir uns verorten“, so beschreibt Kerstin Löchelt, vom Welthaus Minden, den Bildungsauftrag, den sie in der neu entstandenen Weltmauer sieht. So brachten diverse Mindener Initiativen, Gruppen und Einrichtungen ihre Themen ein, aus denen die argentinische Künstlerin, Cecilia Herrero-Laffin, eine künstlerische Gesamtkomposition entwickelte.
Mit der Fortführung des Demonstrationsbildes von der gegenüberliegenden Seite, mahnt beispielsweise die feministische Gruppe die „FLINT*e“ sich weiter kritisch mit Machtstrukturen auseinanderzusetzen, die weltweit immer noch stark am Geschlecht und der sexuellen Orientierung festgemacht werden. Auch der Bund für Soziale Verteidigung und die Afrikanischen Gemeinde lenken die Aufmerksamkeit auf ein drängendes, wenn auch meist noch unsichtbares Thema: Anti-Schwarzer-Rassismus und die damit verbundene Black Lives Matter-Bewegung. Die Initiative Seebrücke und „Minden hilft“ weisen mit ihrem Beitrag auf die desolate Corona-Lage in Flüchtlingslagern hin. Auch Schüler und Schülerinnen der Eine-Welt-Grundschule beteiligten sich und gestalteten Bilder zu verschiedenen Kinderrechten aus ihrer eigenen Perspektive. Mit dem Thema nachhaltige Wirtschaft und Ernährung sowie dem Fairen Handel betonte der Weltladen die Wichtigkeit von gerechten Anbau- und Arbeitsbedingungen, um überall auf der Welt gut leben zu können. Und die kirchlichen Akteure, St.Simeonis und die Simeons Herberge, entwickelten ein Bild zur Vision von Gemeinschaft und Solidarität, um für den gesellschaftlichen Zusammenhalt in unserer Zeit zu werben.
„Auch wenn die einzelnen Abschnitte für sich stehen“ so Kerstin Löchelt weiter, „sind sie doch alle in einem großen Ganzen verbunden und stellen die übergeordnete Frage, die am Anfang der Mauer sich wie ein Band durch die Themen zieht: Mensch-wo bist du?“ Dabei soll die Mauer anregen sich selbst zu fragen: „Wo bist du, Mensch, in diesen Themen? Wo stehst du?“ Dazu berichtet Teresa Piotrowski aus dem Welthaus Minden, dass es bereits während des Entwurfs- und Malprozesses viele anregende Diskussionen gab. Piotrowski dazu: „Wir sind der Meinung, dass wir genau das als Gesellschaft brauchen: miteinander ins Gespräch kommen, Meinungen aushalten, aber auch Stellung beziehen und in Solidarität gemeinsame Wege finden.“

Text: privat

(Foto: Hartmut Damke, Welthaus Minden)